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Mikroraue Oberflächen bei Zahnimplantaten

Die ersten Generationen von rotationssymetrischen Titanimplanaten hatten eine relativ glatte, maschinenpolierte Oberflächenstruktur. Der klinische Nachteil dieser Generation von Zahnimplantaten war dann auch eine erhöhte Misserfolgsrate in der frühen Einheilphase ( in den ersten 4 Wochen nach Implantatinsertion) in weicheren Knochenstrukturen wie dem Oberkieferseitenzahnbereich. Eine Aufrauung der Titanoberfläche brachte den Durchbruch: die Erfolgsraten dieser Implantate stiegen im Vergleich zu Implantaten mit glatten Oberflächen. Inzwischen ist wissenschaftlich evident: Knochen liebt Oberflächenrauigkeiten und verzahnt sich besser mit den entsprechenden Oberflächenstrukturen als bei glatten Oberflächen. Moderne Implantate aus Titan werden heute im industriellen Bearbeitungsprozess an der Oberfläche substraktiv bearbeitet. Durch Ätzung und durch gezielt gesteuerte Strahlung wird die Oberfläche so angeraut, dass die Implantate für eine verfahrenssichere Verknöcherung gut vorbereitet sind.

Keramikimplantate werden ebenso im Herstellungsprozess oberflächlich angeraut, jedoch handelt es sich hier um einen völlig anderen Werkstoff, der in seinen Materialeigenschaften nicht geschädigt werden darf. Neueste werkstoffkundliche Untersuchungen konnten eine Schädigung der Oberfläche in Form von Mikrorissbildungen der Keramik aufzeigen, die durch Bestrahlung mit Korundpartikeln zustande gekommen sind. Die Bearbeitung von Implantatoberflächen aus Keramik hinsichtlich der Oberflächenanrauung bedarf daher größter Sensibilität und sollte nur durch ein sicheren industriellen Herstellungsprozess durchgeführt werden. Das Institut Straumann (Basel, Schweiz) hat auf Keramikimplantaten eine Oberflächentopographie erzielt, die einmalig ist für Keramikimplantate und im Elektronenmikroskop fast identisch erscheint wie die von Titanimplantaten. Die wissenschaftlich Evidenz bescheinigt diesen Keramikimplantaten die gleiche Festigkeit im Verknöcherungsprozess im Vergleich zu Titanimplantaten.